Die Wahl des Wohnortes hat spürbare Auswirkungen auf die medizinische und pflegerische Versorgung. In vielen Regionen Deutschlands fehlt es zunehmend an qualifizierten Pflegefachkräften – mit direkten Folgen für Einrichtungen, Patient:innen und Angehörige. Eine Pflegia-Analyse zeigt: Gerade die größten Städte sind beim tatsächlichen Bedarf an Pflegepersonal nicht automatisch am stärksten betroffen.
Eine aktuelle Auswertung von uns zeigt deutliche regionale Unterschiede beim Bedarf an Pflegefachkräften in Deutschland. Analysiert wurden über 9.000 Stellenanzeigen in den 30 größten Städten – ins Verhältnis gesetzt zur jeweiligen Einwohnerzahl.
Größte Nachfrage nach Pflegefachkräften in Braunschweig
Braunschweig steht vor einer besonderen Herausforderung: Keine andere Stadt in Deutschland sucht derzeit so viele Pflegefachkräfte. Mit 98 offenen Pflegestellen pro 100.000 Einwohner:innen belegt Braunschweig bundesweit den Spitzenplatz und liegt damit deutlich vor anderen Großstädten. Zum Vergleich: Städte wie Bonn und Essen folgen mit großem Abstand auf den Plätzen zwei und drei – dort kommen lediglich 67 beziehungsweise 62 offene Stellen auf 100.000 Einwohner:innen.
Ganz anders sieht es in den größten Metropolen Deutschlands aus. Hamburg, Köln und Wiesbaden bilden das Ende des Rankings mit nur 22 bis 25 offenen Stellen pro 100.000 Einwohner:innen. Besonders auffällig ist Wiesbaden: Trotz vergleichsweise kleiner Einwohnerzahl liegt die Stadt deutlich unter dem Niveau ähnlich großer Städte.
Auch Berlin und München zeigen, dass Größe nicht automatisch mehr Nachfrage bedeutet. Mit 34 beziehungsweise 29 offenen Pflegestellen pro 100.000 Einwohner:innen rangieren sie im hinteren Feld.
Absolute Zahlen: Metropolen dominieren
Betrachtet man die absolute Anzahl offener Pflegestellen, zeigt sich ein anderes Bild. Hier liegen die Metropolen erwartungsgemäß vorn: In Berlin fehlen 1.242 Pflegekräfte, in München 437 und in Hamburg 418. Überraschend belegt Essen mit 263 Stellen den vierten Platz – noch vor Köln mit 248 Angeboten. Am Ende dieser Auswertung stehen Wiesbaden (73), Mannheim (90) und Chemnitz (99).
Das sind die meistgefragten Pflegeberufe
Die Datenanalyse gibt ebenfalls Aufschluss darüber, welche Pflegeberufe speziell am gefragtesten sind. Deutlich an erster Stelle ist hier der Pflegefachmann / die Pflegefachfrau. Die dreijährige generalistische Pflegeausbildung ist die zentrale und heute gültige Ausbildung im Bereich Pflege. Sie ersetzt seit Januar 2020 die früher getrennten Ausbildungen zur Altenpflegerin, Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin.
Platz zwei belegt die Pflegehelfer:in. Dabei handelt es sich um eine einfachere, kürzere Ausbildung (1–2 Jahre) mit Fokus auf unterstützende Aufgaben wie Blutdruckmessung, Körperpflege oder das Umbetten von Patient:innen.
Auf dem dritten Platz im Ranking und nach wie vor sehr begehrt ist der / die Altenpfleger:in. Trotz der Vereinheitlichung der Berufsausbildung ist nach wie vor eine Spezialisierung möglich, welche auch den optionalen Abschluss Altenpfleger:in mit sich bringt.
„Unsere Analyse zeigt, dass der Fachkräftemangel in der Pflege kein abstraktes, bundesweites Phänomen ist, sondern stark von regionalen Faktoren abhängt." warnt Felix Westphal, Gründer von Pflegia. „Besonders mittelgroße Städte wie Bonn, Braunschweig oder Essen in dicht bevölkerten Regionen stehen unter Druck. In den Metropolen ist der Mangel in absoluten Zahlen zwar groß, im Verhältnis zur Bevölkerung jedoch gering. Dies kann auf eine stärkere Versorgungsdichte, bessere Infrastruktur oder attraktivere Arbeitsbedingungen hindeuten. Genau hier müssen Politik, Träger und Einrichtungen ansetzen, um Pflegeberufe auch außerhalb der großen Städte attraktiver zu machen.”
Über die Untersuchung
Die Datengrundlage beruht auf 9.264 Stellenausschreibungen der Bundesagentur für Arbeit im Bereich Pflege für die 30 größten Städte Deutschlands vom 19.01.2026, welche sortiert und weiterverarbeitet wurden. Aufgrund der Vielfalt der Titel der Stellenausschreibungen wurden diese in Gruppen unterteilt.