Teilzeit-Debatte: Vier von zehn Pflegekräften wollen unter 30 Stunden arbeiten
Veröffentlicht am 26.01.2026
41,5 % der Pflegekräfte wollen unter 30 Stunden arbeiten. Bildquelle: canva.com
Anna Liebig
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Während die Diskussion um Teilzeit und Arbeitsanreize derzeit Politik, Medien und Öffentlichkeit beschäftigt, zeigt eine neue Pflegia-Analyse, wie ausgeprägt der Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten in der Pflege tatsächlich ist. 41,5 Prozent aller Befragten möchten weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei Frauen (43,9 %) im Vergleich zu Männern (39 %) sowie in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen und über 55-Jährigen mit jeweils 43,5 Prozent.
„Die aktuelle Teilzeitdebatte wird an der Pflege vorbei geführt. Unsere Studie zeigt deutlich, dass viele bewusst weniger als 30 Stunden arbeiten wollen, weil die tägliche körperliche und emotionale Belastung sonst nicht dauerhaft leistbar ist und Vollzeitmodelle oft an ihrer Lebensrealität vorbeigehen. Wer diese Wünsche ignoriert, verschärft den Fachkräftemangel und treibt qualifizierte Pflegekräfte aus dem Beruf“, sagt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal.
Bei Führungskräften zeigt sich ein anderes Bild: Lediglich 15,7 % der Einrichtungsleitungen möchten unter 30 Stunden arbeiten, bei Pflegedienstleitungen sind es 18,5 %.
„Je höher die Verantwortung, desto geringer der Teilzeitwunsch – das zeigt, dass Führungspositionen in der Pflege noch stark von Vollzeitmodellen geprägt sind", erklärt Westphal.
Abb.: Anteil der Pflegekräfte, die unter 30 Stunden arbeiten möchten. Quelle: Pflegia
Altersstruktur überrascht: Gen Z am wenigsten teilzeitaffin
Entgegen gängigen Erwartungen sind nicht die jüngsten Pflegekräfte am stärksten teilzeitorientiert. Während nur 32,7 % der unter 25-Jährigen, also Gen Z, weniger als 30 Stunden arbeiten möchten, liegen die Werte bei allen höheren Altersgruppen darüber. Auch die Gruppen 35-44 Jahre (41,4 %) und 45-54 Jahre (39,8 %) zeigen vergleichsweise hohe Teilzeitwünsche.
„Diese Altersverteilung spiegelt verschiedene Lebensphasen wider. In den Dreißigern dominieren Familienplanung und Work-Life-Balance-Wünsche, während erfahrene Pflegekräfte über 55 oft bewusst kürzertreten möchten“, so Westphal. Weiter sagt der Pflegia-Geschäftsführer: „Dass gerade die unter 25-Jährigen den geringsten Wunsch nach Teilzeit zeigen, widerspricht zudem dem verbreiteten Vorwurf, die Gen Z wolle nicht arbeiten.“
Frauen sind häufiger teilzeitorientiert
Mit 43,9 Prozent wünschen sich mehr Frauen als Männer (39 %) eine Arbeitszeit unter 30 Stunden. Das könnte sowohl an traditionellen Rollenverteilungen in der Kinderbetreuung als auch an den hohen Belastungen pflegeintensiver Tätigkeiten liegen.
„Der Teilzeittrend ist nicht nur ein Personalthema, sondern auch ein gesellschaftliches Signal. Pflegekräfte wollen trotz Fachkräftemangel nicht unbegrenzt verfügbar sein“, resümiert Westphal und gibt zu denken: „Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die echte Vereinbarkeit ermöglichen – nur dann können Einrichtungen im Wettbewerb um Talente bestehen."
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahre), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre).