Pflegia-Analyse: Sicherheit schlägt Gehalt – unbefristete Verträge sind Pflegekräften am wichtigsten

Veröffentlicht am 16.12.2025

Pflegekraft öffnet Geldbeutel.

Anna Liebig

Praxia Karriereberaterin

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Pflegekräfte in Deutschland priorisieren Jobsicherheit deutlich stärker als das Gehalt. Eine aktuelle Pflegia-Analyse von über 101.000 Kandidat:innen zeigt: Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist für 20,9 Prozent das wichtigste Kriterium bei der Arbeitgeberwahl – weit vor einem guten Personalschlüssel (13,2 %), familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen (13 %) und Zeit für die Pflege (11,4 %). Eine attraktive Bezahlung landet mit nur 7,5 Prozent auf Platz 7.

„Das überrascht viele Arbeitgeber", erklärt Pflegia-Gründer Felix Westphal und sagt: „Während in der öffentlichen Debatte oft über Gehälter gesprochen wird, zeigen unsere Daten: Pflegekräfte suchen vor allem Sicherheit und gute Arbeitsbedingungen. Wer im Wettbewerb um Fachkräfte punkten will, sollte unbefristete Verträge und verlässliche Rahmenbedingungen bieten."

Pflegekräfte legen mit 20,9 % am meisten Wert auf unbefristete Arbeitsverträge. Quelle: Pflegia.de

Mit dem Alter wächst der Wunsch nach Sicherheit

Der Wunsch nach einem unbefristeten Arbeitsvertrag steigt deutlich mit dem Alter an: Während bei unter 25-Jährigen 15,3 Prozent dies als wichtigstes Kriterium nennen, sind es bei 45- bis 54-Jährigen und über 55-Jährigen bereits 25,1 Prozent.

Junge Pflegekräfte unter 25 Jahren legen hingegen überdurchschnittlich viel Wert auf eine freundliche und kollegiale Arbeitsatmosphäre (8,4 % im Vergleich zu 4,3 % im Gesamtdurchschnitt) und auf ausreichend Zeit für die Pflege (13 % im Vergleich zu 11,4 %). 

„Berufseinsteiger:innen suchen ein positives Arbeitsumfeld, in dem sie lernen und wachsen können", interpretiert Westphal und erklärt: „Erst mit der Familiengründung und steigendem Alter rückt die Absicherung in den Vordergrund."

Im mittleren Alter wird Familienfreundlichkeit zum Schlüsselfaktor

Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle gewinnen zwischen dem 25. und 44. Lebensjahr massiv an Bedeutung: Bei 35- bis 44-Jährigen nennen 17,8 Prozent dies als Top-Priorität – der höchste Wert aller Altersgruppen. Bei unter 25-Jährigen sind es hingegen nur 10,2 Prozent.

„Das ist die klassische Familiengründungsphase", so Westphal. Er erklärt: „Flexible Arbeitszeiten und Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind hier entscheidend." 

Bei den über 55-Jährigen sinkt die Priorität wieder leicht auf 15,9 Prozent, bleibt aber weiterhin auf Platz 2 – direkt nach dem unbefristeten Vertrag.

Geschlechterunterschiede erkennbar: Männer priorisieren Gehalt, Frauen Familienfreundlichkeit

Die Analyse offenbart Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männliche Pflegekräfte nennen gute Bezahlung mit 9,5 Prozent auf Platz 4 ihrer Prioritäten, bei Frauen landet das Gehalt mit nur 8 Prozent auf Platz 5. Auch bei Benefits wie Urlaub oder Dienstwagen zeigt sich ein Unterschied: Männer legen darauf mit 10 Prozent mehr Wert als Frauen (7,3 %).

Umgekehrt sind familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für Frauen mit 13,3 Prozent auf Platz 2, bei Männern rangiert dies mit 9,4 Prozent nur auf Platz 5. Auch die Zeit für die Pflege ist Frauen wichtiger (11,3 % auf Platz 4 verglichen mit 9,4 % auf Platz 7 bei Männern).

„Interessant ist, dass Familienfreundlichkeit für beide Geschlechter wichtig ist – sie landet bei beiden in den Top 5", erklärt Westphal und sagt weiter: „Aber die Priorität ist unterschiedlich: Frauen sehen es als zweitwichtigstes Kriterium, Männer erst an fünfter Stelle. Das spiegelt wider, dass Care-Arbeit nach wie vor ungleich verteilt ist. Arbeitgeber, die Familienfreundlichkeit nicht nur für Frauen, sondern für alle Beschäftigten selbstverständlich machen, werden langfristig erfolgreicher im Recruiting sein."

Gutes Gehalt und Benefits werden von Männern mehr priorisiert als von Frauen. Quelle: Pflegia.de

Berufserfahrung verändert Prioritäten kaum – Selbstbestimmung wächst

Überraschend: Die Berufserfahrung verändert die Prioritäten kaum. Über alle Erfahrungsstufen hinweg bleiben unbefristete Verträge (22-24 %), familienfreundliche Arbeitszeitmodelle (14-17 %) und ein guter Personalschlüssel (11-12 %) die Top-3-Kriterien.

Eine Ausnahme bildet das Thema „Selbstbestimmtes Arbeiten": Bei erfahrenen Pflegekräften mit über 10 Jahren Berufspraxis landet dies mit 9 Prozent auf Platz 5 – in anderen Gruppen spielt es kaum eine Rolle. ”Erfahrene Fachkräfte wollen eigenverantwortlich arbeiten und nicht auf Schritt und Tritt kontrolliert werden“, so Westphal. Er erklärt: „Das ist ein wichtiger Hinweis für Arbeitgeber: Wer Pflegekräfte in Leitungspositionen halten will, muss ihnen Autonomie gewähren.”

Das Gehalt bleibt wichtig, ist aber nicht entscheidend

Trotz der verhältnismäßig niedrigen Priorität sollten Arbeitgeber das Gehalt nicht vernachlässigen. Bei den 25- bis 44-Jährigen, der Altersgruppe mit oft hohen finanziellen Verpflichtungen, rangiert eine gute Bezahlung mit 8-9 Prozent immerhin auf Platz 5.

„Gehalt ist ein Hygienefaktor. Es muss stimmen, aber es ist nicht der primäre Entscheidungsfaktor. Arbeitgeber sollten ein marktgerechtes Gehalt mit unbefristeten Verträgen, gutem Personalschlüssel und Familienfreundlichkeit kombinieren – dann haben sie die besten Chancen im Wettbewerb um Fachkräfte, erklärt Westphal.

Über die Datenanalyse

Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 101.482 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die befragten Pflegekräfte konnten ihre drei wichtigsten Prioritäten bei der Wahl ihres Arbeitgebers auswählen. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung. Die Berufserfahrung ist unterteilt in: keine Erfahrung (0 Jahre), Einsteiger (1-2 Jahre), mittlere Erfahrung (3-10 Jahre) und erfahrene Kräfte (über 10 Jahre). 

Pressekontakt: sabrina.schroeder@pflegia.de

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