Pflege-Analyse: 40 Prozent der Pflegekräfte kommen aus dem Ausland

Veröffentlicht am 01.06.2026

Nahaufnahme einer Pflegekraft, die die Hand eines Patienten hält.

Fast vier von zehn auf der Jobplattform registrierten Bewerber:innen kommen deutschlandweit aus dem Ausland. Bildquelle: canva.com

Anna Liebig

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Deutschland wird den wachsenden Personalbedarf in der Pflege aus eigener Kraft nicht decken können. Eine aktuelle Pflegia-Auswertung zeigt, wie stark sich der Arbeitsmarkt bereits internationalisiert hat und wo die Unterschiede innerhalb Deutschlands besonders groß sind. Gleichzeitig wird deutlich, welches kurzfristig verfügbare Potenzial bislang noch nicht konsequent genutzt wird.

Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes fehlen bis 2034 rund 350.000 Pflegekräfte in Deutschland. Wie stark die Branche schon jetzt auf Zuwanderung angewiesen ist, macht eine aktuelle Auswertung von Pflegia (www.pflegia.de) deutlich: Fast vier von zehn auf der Jobplattform registrierten Bewerber:innen kommen deutschlandweit aus dem Ausland, wobei es deutliche regionale Unterschiede gibt. Am niedrigsten ist der Anteil internationaler Fachkräfte in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Pflegia hat außerdem untersucht, ob Arbeitserlaubnisse bereits vorliegen oder noch beantragt werden und aus welchen Herkunftsländern die Bewerber:innen stammen.

Ostdeutschland zieht weniger internationale Pflegekräfte an

Grundlage der Analyse sind anonymisierte Daten von über 55.000 Pflegekräften, die auf der Plattform Pflegia registriert sind. Über 23.000 Teilnehmer:innen geben an, keinen deutschen Pass zu besitzen, das entspricht 39 Prozent. In Berlin ist der Wert ausländischer Fachkräfte mit 55 Prozent am höchsten. Es folgen Baden-Württemberg mit 53 und Bremen mit 52 Prozent. Am unteren Ende der Skala liegen Mecklenburg-Vorpommern (20 Prozent), Sachsen-Anhalt (22 Prozent) und Brandenburg (28 Prozent). Insgesamt liegt der Anteil der Pflegekräfte ohne deutsche Staatsangehörigkeit in den alten Bundesländern (inklusive Berlin) mit mehr als 44 Prozent signifikant höher als in den neuen Bundesländern (25 Prozent). 

Mehrheit internationaler Fachkräfte mit Arbeitserlaubnis

Ob internationale Bewerber:innen tatsächlich kurzfristig eingesetzt werden können, hängt vor allem von ihrer Arbeitserlaubnis ab. Knapp 83 Prozent der Bewerber:innen verfügen über eine Arbeitserlaubnis, rund zehn Prozent haben keine und bei etwa sechs Prozent befindet sich diese noch im Verfahren. In Berlin ist der Anteil internationaler Fachkräfte mit Arbeitserlaubnis mit über 85 Prozent am höchsten, gefolgt von Brandenburg und Bremen mit jeweils rund 84 Prozent. Am unteren Ende liegen Schleswig-Holstein, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit rund 79 bis 81 Prozent, wobei der Abstand insgesamt vergleichsweise gering bleibt.

Syrien, Ukraine und Türkei wichtigste Herkunftsländer

Mit Blick auf die Landtagswahlen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern rückt die Migrationsdebatte erneut in den Fokus. Die meisten internationalen Pflegekräfte kommen aus Syrien: 2.589 Bewerber:innen entsprechen zwölf Prozent aller erhobenen Datensätze. Dahinter folgt die Ukraine mit 1.789 Stellensuchenden (acht Prozent), gefolgt von der Türkei mit 1.391 Bewerber:innen (sieben Prozent). Weitere wichtige Herkunftsländer sind Afghanistan (sechs Prozent), Indien (vier Prozent), Polen (vier Prozent), Rumänien (vier Prozent), Marokko (drei Prozent), Irak (drei Prozent) und Iran (drei Prozent).

„Ohne internationale Pflegekräfte ist die Versorgung in Deutschland heute schon nicht mehr aufrechtzuerhalten. Fast 40 Prozent aller auf unserer Plattform registrierten Pflegekräfte haben keinen deutschen Pass. In Bundesländern wie Berlin, Baden-Württemberg oder Bremen sind es sogar mehr als die Hälfte. Gleichzeitig sehen wir, dass rund 83 Prozent dieser Fachkräfte bereits über eine gültige Arbeitserlaubnis verfügen und damit kurzfristig einsetzbar wären. Das ist ein erhebliches Potenzial, das der Arbeitsmarkt aktiv nutzen muss”, betont Felix Westphal, Gründer und Geschäftsführer bei Pflegia. „Wenn wir bis 2034 die prognostizierte Lücke von 350.000 fehlenden Pflegekräften auch nur annähernd schließen wollen, brauchen wir Rahmenbedingungen, die internationale Fachkräfte gezielt ansprechen, integrieren und langfristig halten."

Über die Untersuchung

Die Erhebung des Anteils internationaler Pflegekräfte und deren Arbeitserlaubnissen basiert auf der Datengrundlage von 55.339 Befragungen, die im Zeitraum vom 1.11.2024 bis zum 1.11.2025 durchgeführt wurden. Im gleichen Zeitraum wurden 21.287 anonymisierte Profile internationaler Bewerber:innen von dem Jobportal Pflegia analysiert, um die Herkunftsländer zu bestimmen.

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