Pflege Gehälter liegen bereits über Mindestlohn ab Juli 2027 – jetzt zählen Arbeitsbedingungen

Veröffentlicht am 02.12.2025

Frau hält 5 Euroscheine in der Hand.

Anna Liebig

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Eine aktuelle Datenanalyse der Jobplattform Pflegia von 6.987 Stellenanzeigen zeigt: Der Markt zahlt bereits mehr als die für 2027 geplanten Mindestlöhne. Altenpflegefachkräfte mit unter einem Jahr Berufserfahrung verdienen im Median 21,86 Euro pro Stunde – 28 Cent mehr als der ab Juli 2027 geltende Mindestlohn von 21,58 Euro. Auch Pflegehilfskräfte liegen mit 17,43 Euro bereits über dem gesetzlichen Minimum von 16,95 Euro (ab 2027).

„Die Mindestlohn-Erhöhung ist wichtig als soziale Absicherung, jedoch zeigt sich, dass die Arbeitgeber bereits heute schon mehr bezahlen", erklärt Geschäftsführer Felix Westphal und sagt: „Das Gehalt ist inzwischen nicht mehr das Hauptproblem. Pflegekräfte suchen vor allem gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Dienstpläne und Wertschätzung. Hier müssen Arbeitgeber jetzt ansetzen."

Marktgehälter liegen über künftigem Mindestlohn 2027

In allen Erfahrungsstufen zahlt der Markt bereits heute mehr als der für 2027 geplante Mindestlohn. Altenpflegefachkräfte verdienen je nach Berufserfahrung zwischen 21,86 Euro (1 Jahr) und 24,50 Euro (8 Jahre) pro Stunde. Der Mindestlohn wird ab Juli 2027 bei 21,58 Euro liegen. Selbst Berufseinsteigende verdienen damit aktuell 1,3 % mehr als den künftigen Mindestlohn.

Bei Pflegehilfskräften ist der Abstand größer: Sie verdienen zwischen 17,43 Euro (1 Jahr) und 19,69 Euro (8 Jahre). Das entspricht einer Differenz von 2,8 % über dem Mindestlohn bei Berufseinsteigenden.

Gehalt allein reicht nicht, die Arbeitsbedingungen sind entscheidend

Eine weitere Analyse zu Jobpräferenzen von Pflegia von über 101.000 Pflegekräften zeigt, dass Gehalt nicht an erster Stelle steht. Wichtiger sind unbefristete Verträge (21 % Top-Priorität), ein guter Personalschlüssel (13 %), familienfreundliche Arbeitszeitmodelle (13 %) und Zeit für Pflege (11,4 %). Eine attraktive Bezahlung landet mit nur 7,5 % auf Platz 7 der wichtigsten Kriterien.

„Pflegekräfte wissen, dass die Bezahlung inzwischen im akzeptablen Bereich liegt", interpretiert Westphal und erklärt: „Aber wenn der Personalschlüssel nicht stimmt, die Dienstpläne chaotisch sind und die Wertschätzung fehlt, hilft auch ein gutes Gehalt nicht. Der Kampf um Fachkräfte wird nicht mehr primär über das Gehalt entschieden."

Stärkere Honorierung von Erfahrung nötig

Dennoch zeigen die Daten auch, dass die Gehaltsentwicklung über die Berufsjahre eher moderat ausfällt. Altenpflegefachkräfte steigern ihr Gehalt von 21,86 Euro (1 Jahr) auf 24,50 Euro (8 Jahre). Eine Steigerung von 2,64 Euro pro Stunde bzw. 12 %. Bei Pflegehilfskräften sind es 2,26 Euro mehr (von 17,43 Euro auf 19,69 Euro).

„Wer nach acht Jahren nur marginal mehr verdient als am Anfang, fühlt sich nicht wertgeschätzt", so Westphal. „Auch hier ist die Politik gefragt. Tarifverträge müssen Erfahrung stärker honorieren, und es braucht mehr Aufstiegsmöglichkeiten in spezialisierte Rollen mit besserer Bezahlung."

Über die Datenanalyse

Für diese Analyse wurden 6.987 Stellenanzeigen für Altenpflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte ausgewertet, die zwischen dem 1. September 2024 und dem 31. August 2025 auf Pflegia.de veröffentlicht wurden. Berücksichtigt wurden ausschließlich Stellen mit 38 Wochenstunden und konkreter Gehaltsangabe. Die Gehälter sind nach Berufserfahrung differenziert: 1 Jahr (Berufseinsteigende), 3 Jahre (mittlere Erfahrung) und 8 Jahre (erfahrene Kräfte). Die Jobpräferenzen basieren auf einer separaten Analyse von 101.482 aktiven Pflegekräften auf Pflegia.de.

Pressekontakt: sabrina.schroeder@pflegia.de

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