Ost-West-Gefälle in der Pflege: Hamburg hat die zufriedensten Pflegekräfte, Thüringen die unzufriedensten
Veröffentlicht am 11.11.2025
Zufriedenheit von Pflegekräften variiert stark regional: Hamburg führt, Thüringen bildet Schlusslicht. Bildquelle: canva.com
Anna Liebig
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Die Zufriedenheit von Pflegekräften in Deutschland hängt stark vom Bundesland ab. Eine aktuelle Pflegia-Analyse von über 46.000 jobsuchenden Pflegekräften zeigt erhebliche regionale Unterschiede. Während im Bundesdurchschnitt 28,2 Prozent der Pflegekräfte zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Arbeitgeber sind, liegt Hamburg mit 34,8 Prozent darüber. Thüringen bildet mit nur 20,5 Prozent Zufriedenheit das Schlusslicht – mehr als 7 Prozentpunkte unter dem Bundesschnitt.
„Die regionalen Unterschiede sind alarmierend“, erklärt Pflegia-Geschäftsführer Felix Westphal. „In allen ostdeutschen Bundesländern überwiegt die Unzufriedenheit deutlich. Das deutet auf strukturelle Unterschiede bei Gehältern, Personalschlüsseln und Arbeitsbedingungen hin.“
Wirtschaftsstarke Regionen liegen vorn
An der Spitze der Zufriedenheit stehen Hamburg (34,8 % zufrieden, 28,9 % unzufrieden) und Baden-Württemberg (34,2 % zufrieden, 26,6 % unzufrieden). Bayern folgt mit 31,5 % auf Platz drei. Auch die Stadtstaaten Berlin (32,2 % zufrieden, nur 20,6 % unzufrieden) und Bremen (29,2 % zufrieden, 28 % unzufrieden) liegen über dem Bundesschnitt. Berlin weist dabei den niedrigsten Unzufriedenheitswert aller Bundesländer auf – allerdings auch die höchste Neutralität (47,2 %).
Abb.: Pflegekräfte in Hamburg, BaWü und Berlin sind am zufriedensten mit ihrer aktuellen Stelle. Quelle: Pflegia
Ostdeutschland: Mehr unzufriedene als zufriedene Pflegekräfte
In allen fünf ostdeutschen Bundesländern liegt die Unzufriedenheit deutlich über der Zufriedenheit. Besonders kritisch ist die Lage in Thüringen (20,5 % zufrieden / 35,8 % unzufrieden), Sachsen (24 % zufrieden / 35,3 % unzufrieden) und Brandenburg (28,9 % zufrieden / 34,1 % unzufrieden). Auch Mecklenburg-Vorpommern (27,1 % zufrieden/ 31,2 % unzufrieden) und Sachsen-Anhalt (23,6 % zufrieden/ 30,1 % unzufrieden) weisen einen negativen Zufriedenheitssaldo auf.
„In Thüringen ist mehr als jede dritte Pflegekraft unzufrieden, aber nur jede fünfte zufrieden – das ist ein Alarmsignal“, betont Westphal. „Ohne gezielte Verbesserungen bei Gehalt, Personalschlüssel und Arbeitsbedingungen wird der Fachkräftemangel dort weiter zunehmen.“
Auch westdeutsche Flächenländer sind betroffen
Nicht nur der Osten kämpft mit niedriger Zufriedenheit. Auch in Hessen (27,9 % zufrieden, 31,7 % unzufrieden), Rheinland-Pfalz (27,9 % zufrieden, 31,8 % unzufrieden), Niedersachsen (27,8 % zufrieden, 30,2 % unzufrieden) und
Nordrhein-Westfalen (29,3 % zufrieden, 30,6 % unzufrieden) überwiegt die Unzufriedenheit leicht. In Schleswig-Holstein liegt die Zufriedenheit mit 24,7 % sogar deutlich unter dem Durchschnitt, während 37,3 % der Pflegekräfte unzufrieden sind.
„Das zeigt: Es geht nicht nur um Ost gegen West, sondern um wirtschaftsstarke Ballungsräume versus strukturschwächere Regionen“, so Westphal.
Über die Datenanalyse
Für diese Analyse wurden anonymisierte Daten von 46.434 aktiven Pflegekräften ausgewertet, die sich zwischen dem 20. September 2024 und dem 20. September 2025 auf der Plattform Pflegia eingeloggt oder registriert haben. Die Stichprobe umfasst elf Berufsgruppen: Altenpflegefachkraft, Einrichtungsleitung, Hebamme, Hygienefachkraft, Kinderkrankenpfleger:in, Pflegedienstleitung, Pflegedirektion, Pflegefachkraft, Pflegehilfskraft, Stationsleitung und Wohnbereichsleitung.