Internationaler Tag der Wohltätigkeit: Welche Rolle spielt Ehrenamt in der Pflege?

Veröffentlicht am 05.09.2026

Eine Frau reicht einer älteren Frau die Hände.

Der Tag der Wohltätigkeit bietet deshalb auch die Gelegenheit, genauer hinzuschauen. Bildquelle: Canva.de

Am 5. September findet der Internationale Tag der Wohltätigkeit statt. Der Aktionstag der Vereinten Nationen macht auf die Bedeutung von Hilfsbereitschaft, freiwilligem Engagement und gemeinnütziger Arbeit aufmerksam. Für dich als Pflegekraft ist dieses Thema besonders relevant. Pflege bedeutet schließlich nicht nur medizinische und pflegerische Versorgung, sondern auch menschliche Zuwendung, Unterstützung und gesellschaftliche Verantwortung.

Doch Wohltätigkeit und professionelle Pflege sind nicht dasselbe. Der Tag der Wohltätigkeit bietet deshalb auch die Gelegenheit, genauer hinzuschauen. Wo ergänzen sich professionelles Handeln und freiwilliges Engagement? Welche Rolle spielen Ehrenamtliche in der Pflege? Und wo liegen die Grenzen?

Das Wichtigste in Kürze

 
- 📅 Der Tag der Wohltätigkeit findet am 5. September statt: Die Vereinten Nationen haben den Internationalen Tag der Wohltätigkeit 2012 ins Leben gerufen, um auf freiwilliges Engagement, Hilfsbereitschaft und Solidarität aufmerksam zu machen.
 
- 🤝 Ehrenamt spielt auch in der Pflege eine wichtige Rolle: Besuchsdienste, Alltagsbegleitung oder Hospizvereine können Pflegebedürftige unterstützen und Angehörige entlasten.
 
- 👩‍⚕️ Ehrenamt ersetzt keine professionelle Pflege: Freiwillig Engagierte können zusätzliche soziale Unterstützung bieten, übernehmen aber nicht die Aufgaben qualifizierter Pflegekräfte.
 
- 🏠 Besonders die häusliche Pflege ist auf Unterstützung angewiesen: Ein großer Teil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland wird zu Hause versorgt – häufig durch Angehörige.
 
- ❤️ Auch Pflegekräfte brauchen Grenzen: Hilfsbereitschaft und Empathie gehören zur Pflege. Sie bedeuten jedoch nicht, dass Pflegekräfte ständig verfügbar sein oder ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen müssen.

Anna Liebig

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Wann ist der Tag der Wohltätigkeit?

Der Internationale Tag der Wohltätigkeit wird jedes Jahr am 5. September begangen. Die Vereinten Nationen (UN) riefen ihn im Jahr 2012 ins Leben. Ziel ist es, Menschen, Organisationen und gesellschaftliche Akteure für wohltätiges und freiwilliges Engagement zu sensibilisieren und zum Handeln zu motivieren. 

Das Datum wurde bewusst gewählt: Der 5. September ist der Todestag von Mutter Teresa, die 1997 starb. Sie setzte sich über Jahrzehnte für arme, kranke und sterbende Menschen ein und erhielt 1979 den Friedensnobelpreis. Der Tag soll nicht ausschließlich zu Spenden aufrufen. Im Mittelpunkt stehen auch freiwillige Hilfe, Solidarität und gesellschaftliches Engagement. Die UN verstehen Wohltätigkeit als einen Beitrag dazu, menschliches Leid zu lindern und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. 

Warum ist Wohltätigkeit für die Pflege relevant?

Pflege findet niemals isoliert statt. Sie ist in Familien, soziale Beziehungen, Nachbarschaften und das gesamte Gemeinwesen eingebettet. Gerade für ältere oder pflegebedürftige Menschen können soziale Kontakte und Unterstützung im Alltag einen entscheidenden Unterschied ausmachen.

Ein Blick auf die aktuelle Pflegesituation in Deutschland zeigt das sehr deutlich: Ende 2023 waren laut dem Statistischen Bundesamt rund 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig. Etwa 4,89 Millionen beziehungsweise 86 Prozent von ihnen wurden zu Hause versorgt. Mehr als drei Millionen Menschen erhielten ausschließlich Pflege durch Angehörige.

Damit wird deutlich: Pflege wird in Deutschland nicht allein von professionellen Pflegekräften geleistet. Auch Angehörige, Freunde, Nachbarschaften und ehrenamtlich engagierte Menschen tragen zur Versorgung und sozialen Teilhabe bei.

Auch die Pflegeversicherung berücksichtigt die Bedeutung des Ehrenamts. So fördert sie beispielsweise Angebote zur Unterstützung im Alltag, ehrenamtliche Gruppen und weitere bürgerschaftliche Strukturen. Dazu gehören unter anderem Betreuungsangebote, praktische Alltagshilfen oder Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger. 

Wohltätigkeit in der Pflege: Mehr als Spenden

Wenn von Wohltätigkeit gesprochen wird, denken viele zunächst an Geld- oder Sachspenden. In der Pflege kann Hilfe jedoch ganz andere Formen annehmen. Ein ehrenamtlicher Besuchsdienst kann beispielsweise einem alleinlebenden Menschen Gesellschaft leisten. Freiwillige können Spaziergänge begleiten, vorlesen, gemeinsam spielen oder bei Veranstaltungen unterstützen. Auch Besuchs- und Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz können Angehörige entlasten und gleichzeitig soziale Teilhabe ermöglichen. Solche Angebote ersetzen keine professionelle Pflege. Sie können sie aber sinnvoll ergänzen.

Gerade für dich als Pflegekraft kann es deshalb hilfreich sein, die vorhandenen ehrenamtlichen Strukturen vor Ort zu kennen. Vielleicht gibt es in deiner Einrichtung einen Besuchsdienst, eine Demenzbegleitgruppe, einen Hospizverein oder ein Nachbarschaftsprojekt. Wenn du weißt, welche Angebote existieren, kannst du Pflegebedürftige und Angehörige gezielter darauf aufmerksam machen. 

Ehrenamt und professionelle Pflege: Wo liegen die Grenzen?

Eine wichtige Besonderheit dieses Themas ist die klare Abgrenzung zwischen ehrenamtlicher Unterstützung und professioneller Pflege. Ehrenamtliche können soziale Kontakte fördern, im Alltag unterstützen und Angehörige entlasten. Bestimmte pflegerische oder medizinische Tätigkeiten dürfen sie jedoch nicht ausführen. Welche Aufgaben delegiert werden können und welche Qualifikation dafür erforderlich ist, hängt unter anderem von der konkreten Tätigkeit, den gesetzlichen Vorgaben sowie den Regelungen der jeweiligen Einrichtung ab.

Ein gutes Beispiel sind zusätzliche Betreuungskräfte in stationären Einrichtungen. Sie unterstützen die Bewohnerinnen und Bewohner beispielsweise beim Lesen, Basteln oder Spazierengehen und fördern so ihre soziale Teilhabe. Körperbezogene Pflegemaßnahmen oder hauswirtschaftliche Tätigkeiten gehören jedoch nicht zu ihren regelmäßigen bzw. planmäßigen Aufgaben.

Für dich bedeutet das:
Wohltätigkeit darf professionelle Pflege nicht ersetzen. Ehrenamtliches Engagement sollte dort ansetzen, wo es die Pflege ergänzt und zusätzliche soziale oder alltagspraktische Unterstützung ermöglicht. 

Was kannst du als Pflegekraft am Tag der Wohltätigkeit tun?

Der 5. September muss nicht mit einer großen Aktion verbunden sein. Schon kleine Impulse können Aufmerksamkeit schaffen. Du kannst beispielsweise mit deinem Team darüber sprechen, welche ehrenamtlichen Angebote es in eurer Einrichtung oder Region gibt. Vielleicht kennt eine Kollegin einen Besuchsdienst oder einen Hospizverein, der bisher kaum bekannt ist. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner können einbezogen werden. Gemeinsam könnt ihr überlegen, welche Aktivitäten sie sich wünschen und welche Unterstützung ihnen im Alltag guttun würde.

Eine weitere Möglichkeit ist es, selbst ehrenamtlich aktiv zu werden. Dabei solltest du allerdings deine eigenen Ressourcen im Blick behalten. Gerade wenn du bereits beruflich in der Pflege arbeitest, bedeutet freiwilliges Engagement nicht automatisch zusätzliche Zeit im Pflegebereich. Ehrenamtliches Engagement kann auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen stattfinden.

In Deutschland engagieren sich nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung rund 29 Millionen Menschen freiwillig und unentgeltlich für das Gemeinwohl. Das Spektrum reicht dabei vom sozialen Bereich über Sport und Kultur bis hin zu Rettungswesen und Katastrophenschutz. 

Besonderheiten für Pflegekräfte: Professionelle Pflege braucht klare Grenzen

Der Tag der Wohltätigkeit kann auch Anlass sein, über das weite Aufgabenfeld in der Pflege nachzudenken: Einerseits ist Pflege ein Beruf, andererseits hat sie eine starke soziale und menschliche Dimension. Als Pflegekraft sollst du empathisch sein, zuhören, begleiten und Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen. Trotzdem bedeutet professionelle Pflege nicht, dass du jederzeit selbstlos verfügbar sein musst.

Gerade in einem so anspruchsvollen Beruf sind professionelle Grenzen wichtig. Du darfst deine eigenen Bedürfnisse ernst nehmen, Aufgaben entsprechend deiner Rolle übernehmen und auch „Nein” sagen. Wohltätigkeit sollte nicht mit Selbstaufgabe verwechselt werden. Gleichzeitig kann der Aktionstag daran erinnern, dass gute Pflege nicht ausschließlich aus medizinischen oder pflegerischen Maßnahmen besteht. Ein Gespräch, ein gemeinsamer Spaziergang oder ein Moment echter Aufmerksamkeit können für einen Menschen ebenso bedeutsam sein, auch wenn sie nicht als klassische „Pflegeleistung“ erscheinen. 

Fazit: Wohltätigkeit braucht nicht immer große Gesten

Der Internationale Tag der Wohltätigkeit am 5. September erinnert uns daran, wie wichtig Hilfsbereitschaft, freiwilliges Engagement und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind. Gerade in der Pflege wird deutlich, dass Unterstützung viele Formen annehmen kann: von professioneller Pflege über Angehörigenhilfe bis hin zu ehrenamtlicher Begleitung.

Der Aktionstag kann für dich als Pflegekraft ein guter Anlass sein, den Blick über die eigentliche Pflegeleistung hinaus zu richten. Welche ehrenamtlichen Angebote gibt es in deiner Einrichtung? Wo könnten Pflegebedürftige oder Angehörige zusätzliche Unterstützung gebrauchen? Und wie können professionelle Pflege und freiwilliges Engagement sinnvoll zusammenarbeiten?

Dabei gilt: Ehrenamt kann professionelle Pflege ergänzen, aber nicht ersetzen. Eine gute Versorgung braucht qualifizierte Pflegekräfte ebenso wie soziale Unterstützung und menschliche Nähe. Der Tag der Wohltätigkeit macht genau diese Verbindung sichtbar und erinnert daran, dass manchmal schon kleine Gesten einen großen Unterschied machen können. 

Häufige Fragen zum Tag der Wohltätigkeit

Ist der Tag der Wohltätigkeit ein gesetzlicher Feiertag?

Nein, der Internationale Tag der Wohltätigkeit ist ein internationaler Aktionstag der Vereinten Nationen, aber kein gesetzlicher Feiertag in Deutschland.

Kann ich als Pflegekraft während meiner Arbeitszeit ehrenamtlich tätig sein?

Das hängt von deinem Arbeitgeber und den jeweiligen Arbeitsbedingungen ab. Grundsätzlich ist ehrenamtliches Engagement von der beruflichen Tätigkeit zu unterscheiden und sollte mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden, wenn es während der Arbeitszeit stattfinden soll.

Wo finde ich ehrenamtliche Angebote für Pflegebedürftige?

Anlaufstellen können beispielsweise Pflegeberatungsstellen, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Hospizdienste, Selbsthilfegruppen oder lokale Vereine sein. Auch die eigene Pflegeeinrichtung kennt häufig regionale Kooperationspartner.

Welche Rolle spielen Angehörige beim Thema Wohltätigkeit?

Angehörige sind keine klassischen Ehrenamtlichen. Sie übernehmen jedoch häufig regelmäßig und unentgeltlich einen großen Teil der häuslichen Versorgung. Die Pflegeversicherung berücksichtigt diese Form der Unterstützung unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich.

Was ist der Unterschied zwischen Wohltätigkeit und Solidarität?

Wohltätigkeit beschreibt häufig konkrete Hilfe für Menschen in Not. Solidarität geht darüber hinaus und beinhaltet auch die gemeinsame Verantwortung für gesellschaftliche Herausforderungen. Beide können sich ergänzen.

Quellen

Destatis.de Statistisches Bundesamt. Pflegebedürftige nach Versorgungsart, Geschlecht und Pflegegrade. Zuletzt abgerufen am 25.08.2026 https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/Tabellen/pflegebeduerftige-pflegestufe.html

Bundesministerium für Gesundheit. Pflegebedürftigkeit. Zuletzt abgerufen am 25.08.2026 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/pflegebeduerftig-was-nun/pflegebeduerftigkeit

United Nations. International Day of Charity – 5 September. Zuletzt abgerufen am 25.08.2026 https://www.un.org/en/observances/charity-day

Die Bundesregierung. Ehrenamt. Zuletzt abgerufen am 25.08.2026 https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/die-bedeutung-von-ehrenamt-und-buergerschaftlichem-engagement-2432276

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