Bauchspeicheldrüse: Funktion und Anatomie
Veröffentlicht am 29.04.2026

Die Bauchspeicheldrüse verursacht oft unspezifische Beschwerden. Bildquelle: canva.com
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) arbeitet im Hintergrund, und zwar für die Verdauung und den Blutzucker. Sie liegt im Pflegealltag oft im sogenannten toten Winkel, denn Beschwerden wirken zunächst wie unspezifische Magen-Darm-Probleme, haben aber weitreichende Folgen für Verdauung, Blutzucker und Allgemeinzustand deiner Patient:innen. In diesem Artikel erfährst du, wie die Bauchspeicheldrüse aufgebaut ist, welche Funktionen sie übernimmt, woran du Pankreaserkrankungen erkennst und was bei Pankreatitis, Pankreaskarzinom und diabetesbedingten Störungen besonders wichtig ist.
Anatomie der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse ist eine keilförmige Drüse im Oberbauch, etwa 12–18 cm lang und 70–100 g schwer. Sie liegt quer hinter dem Magen vor der Wirbelsäule im Retroperitonealraum und eng an Strukturen wie der Aorta, der Vena cava (Pfortader), der Leber, der Milz und dem Zwölffingerdarm.
Anatomisch wird sie in Kopf, Körper und Schwanz eingeteilt: Der Kopf liegt in der Schlinge des Zwölffingerdarms, der Körper zieht vor der Wirbelsäule entlang, der Schwanz reicht bis an die Milz. Durch das Organ verläuft der Pankreasgang (Ductus Pancreaticus), welcher kleinere Gänge in sich aufnimmt und den Verdauungssaft mit Enzymen transportiert.
Er verläuft von Schwanz bis Kopf und mündet schließlich zusammen mit dem Gallengang (Ductus choledochus) in der Vaterschen Papille (kleine Öffnung im Zwölffingerdarm). An dieser Stelle werden die Galle und Verdauungssäfte der Bauchspeicheldrüse in den Darm abgegeben, um eine bessere Verdauung der aufgenommenen Nahrung zu garantieren, vor allem für Fette.

Bauchspeicheldrüse-Funktion: Verdauungsorgan und Hormonfabrik
Das Pankreas erfüllt zwei zentrale Aufgaben, die eng ineinandergreifen, aber trotzdem grundlegend verschieden sind:
- Exokrine Funktion: Das Drüsengewebe mit seinen Azinuszellen produziert täglich etwa 1–1,5 Liter Pankreassaft mit Enzymen zur Verdauung von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten, die über den Pankreasgang in den Zwölffingerdarm abgegeben werden. Beispiele hierfür sind Amylase (hilft in der Spaltung von Kohlenhydraten), Lipase (spaltet Fette in Fettsäuren), Trypsin (spaltet Eiweiße in Aminosäuren).
- Endokrine Funktion: In den Langerhans-Inseln, speziell in den Beta-Zellen, werden Hormone wie Insulin und Glukagon freigesetzt, die den Blutzucker regulieren und damit für den Energiestoffwechsel unverzichtbar sind. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das den Blutzuckerspiegel reguliert, indem es dafür sorgt, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen wird. Ohne das Insulin bleibt zu viel Zucker im Blut, was langfristig zu schweren Schäden im Körper führen kann (z. B. bei Diabetes).

Anna Liebig
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Beschwerden: Wie äußern sich Probleme mit der Bauchspeicheldrüse?
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse verursachen häufig zunächst unspezifische Magen-Darm-Beschwerden mit Bauchschmerzen und Veränderungen des Stuhls. Typische Symptome hierbei sind:
- Oberbauchschmerzen, oft plötzlich und heftig, gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend.
- Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und rascher, ungewollter Gewichtsverlust.
- Blähungen, Völlegefühl, aufgetriebener Bauch.
- Durchfall und Fettstuhl (voluminös, klebrig, stark riechend, schwer abspülbar).
- Neuaufgetretener oder schlecht einstellbarer Diabetes mellitus.
- Manchmal Gelbsucht, wenn Gallenwege mitbetroffen sind.
Diabetes kurz erklärt
Diabetes ist für dich im Zusammenhang mit der Bauchspeicheldrüse besonders wichtig, weil hier die endokrine Funktion direkt betroffen ist. Insulin senkt den Blutzucker und Glukagon hebt ihn wieder an. Die insulinproduzierenden Beta-Zellen werden zerstört (Typ-1-Diabetes) oder Sie arbeiten unter chronischer Überlastung und Insulinresistenz immer schlechter (Typ-2-Diabetes).
Glukose kann dann nicht mehr ausreichend in die Zellen aufgenommen werden. Daraus resultierend steigt der Blutzucker und langfristig drohen Gefäß, Nerven- und Organschäden. Auch Pankreaserkrankungen wie chronische Pankreatitis oder ein Pankreaskarzinom können langfristig zu Diabetes führen, weil sowohl Verdauungsenzyme als auch Hormone wie Insulin nicht mehr in ausreichender Menge gebildet werden können.

Was ist eine Pankreatitis?
Pankreatitis, auch Bauchspeicheldrüsenentzündung genannt, ist für dich in der Pflege eine der wichtigsten akuten und chronischen Bauchspeicheldrüsenerkrankungen und reicht von selbstlimitierend bis lebensbedrohlich.
Die akute Pankreatitis zeigt sich meist mit plötzlich einsetzenden, gürtelförmigen Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und einem geblähten, druckschmerzhaften Bauch. Die häufigsten Ursachen sind:
- Gallensteine, welche die Vatersche Papilla verstopfen
- Alkohol (akut oder langwieriger Alkoholmissbrauch)
- Medikamente
- Übergewicht mit erhöhten Blutfetten (Dyslipidaemie)
- Infektionen
Die Pankreatitis wird in der Regel stationär behandelt, mit Nüchternheit zur Entlastung des Pankreas, großzügiger Flüssigkeitssubstitution, Schmerztherapie und Überwachung. Schwere Verläufe können zu einer Sepsis, nekrotischen Arealen und Organversagen führen.
Was versteht man unter einer chronischen Pankreatitis?
Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickelt sich dagegen über Jahre mit wiederkehrenden Schmerzen, zunehmender exokriner Insuffizienz (Fettstuhl, Gewichtsverlust) und oft Diabetes.
Die Hauptursache ist meistens langjähriger Alkoholkonsum, kann aber auch durch genetische Faktoren, sowie Stoffwechselstörungen entstehen. In der Betreuung von Patient:innen übernimmst du vor allem die langfristige Begleitung bei Schmerzen und Ernährung, förderst die Alkohol- und Nikotinabstinenz und unterstützt aktiv die Diabetestherapie.
Pankreaskarzinom: Kleine Inzidenz, höchste Mortalität
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) macht in Deutschland nur einen kleinen Anteil aller Krebsneuerkrankungen aus, gehört aber zu den tödlichsten Tumorarten. 2023 erkrankten etwa 19.000 Menschen an einem Pankreaskarzinom und fast ebenso viele verstarben im gleichen Zeitraum an dieser Erkrankung. (1)
Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei rund 9–11 Prozent, was Pankreaskarzinom zu einer Krebsart mit sehr hoher Mortalität macht. Frühsymptome sind meist diskret und unspezifisch, wie zum Beispiel diffuse Oberbauchbeschwerden, Appetitverlust, Gewichtsabnahme. Deswegen wird der Bauchspeicheldrüsenkrebs oft erst zu spät erkannt – er ist dann bereits in einem nicht mehr operablem Zustand.
Pflegeaspekte: Was du im Blick behalten solltest
Bei akuten Pankreaserkrankungen stehen Überwachung, Schmerzmanagement und Komplikationsprophylaxe im Vordergrund. Dazu gehören engmaschige Kontrolle von Vitalzeichen, Schmerzen, Bewusstsein, Unterstützung von Nüchternheit und Infusionstherapie.
Langfristig ist bei deinen Patient:innen gutes Ernährungsmanagement (inklusive fettarmer Kost, Enzymsubstitution), sowie Gewichtskontrolle entscheidend.
Beim Pankreaskarzinom kommen postoperative Versorgung, Nebenwirkungsmanagement onkologischer Therapien und frühzeitige palliative Betreuung auf dich zu, inklusive Schmerztherapie, Symptomlinderung, Vorausplanung und Angehörigenarbeit.
Fazit: Kleines Organ, große Wirkung
Die Bauchspeicheldrüse ist zentral für Verdauung und Stoffwechsel, wenn sie erkrankt, geraten Nährstoffaufnahme und Blutzuckerregulation gleichzeitig aus dem Gleichgewicht. Akute Pankreatitis, chronische Entzündungen, Pankreasinsuffizienz und Pankreaskarzinom gehen mit hoher Morbidität und beim Karzinom mit sehr hoher Mortalität einher.
Deshalb solltest du unspezifische Oberbauchbeschwerden, Gewichtsverlust und neue Diabeteszeichen bei deinen Patient:innen immer ernst nehmen. Als Pflegefachkraft kannst du durch sorgfältige Beobachtung, Unterstützung bei Ernährung und Diabetesmanagement sowie durch die enge Zusammenarbeit im interprofessionellen Team entscheidend dazu beitragen, Verläufe zu stabilisieren und die Lebensqualität von Patient:innen trotz komplexer Erkrankungen bestmöglich zu erhalten.
Häufige Fragen zur Bauchspeicheldrüse
Wo sitzt die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse liegt quer im Oberbauch, hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule; der Kopf liegt in der Schlinge des Zwölffingerdarms, der Schwanz reicht bis zur Milz.
Wie äußern sich Probleme mit der Bauchspeicheldrüse?
Typisch sind Oberbauchschmerzen (oft mit Ausstrahlung in den Rücken), Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall oder Fettstuhl, Völlegefühl, ungewollter Gewichtsverlust und manchmal ein neu aufgetretener Diabetes.
Wo schmerzt die Bauchspeicheldrüse – rechts oder links?
Meist werden die Schmerzen mittig oder eher links im Oberbauch angegeben und gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend; streng rechtsseitige Schmerzen sind eher untypisch und sprechen eher für andere Organe, müssen aber immer ärztlich abgeklärt werden.
Welche Blutwerte sind bei der Bauchspeicheldrüse auffällig?
Bei akuter Pankreatitis sind Lipase und Amylase in der Regel deutlich erhöht, dazu Entzündungswerte wie CRP und häufig Veränderungen im Blutbild; bei chronischen Verläufen und Tumoren fallen eher Ernährungsparameter, Diabeteszeichen und zum Teil Leber- und Cholestasewerte auf.
Was ist ein „Bauchspeicheldrüsen-Test“?
Gemeint sind meist Kombinationen aus Blutuntersuchungen (Lipase/Amylase, Blutzucker), bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT oder MRT sowie speziellen Funktions- oder Stuhltests, mit denen die exokrine Pankreasleistung überprüft wird.
Können Blähungen oder Durchfall von der Bauchspeicheldrüse kommen?
Ja, bei exokriner Pankreasinsuffizienz oder chronischer Pankreatitis kommt es häufig zu Blähungen, Völlegefühl, Durchfall und Fettstuhl, weil Nahrungsfette und andere Nährstoffe nicht ausreichend verdaut werden. Diese Beschwerden sind aber unspezifisch und müssen immer im Gesamtbild beurteilt werden.
Kann sich die Bauchspeicheldrüse bei Diabetes wieder erholen?
Bei Typ-1-Diabetes sind die insulinproduzierenden Zellen in der Regel irreversibel zerstört, eine Regeneration im Sinne einer Heilung gilt derzeit als nicht erreichbar. Bei Typ-2-Diabetes können Lebensstiländerungen und gute Therapie die Pankreasfunktion entlasten und verbessern, ohne dass die Erkrankung komplett heilt.
Welcher Arzt ist auf die Bauchspeicheldrüse spezialisiert?
Erste Anlaufstelle sind Fachärzt:innen für Gastroenterologie; bei operativen Fragestellungen kommen Viszeralchirurg:innen bzw. spezialisierte Pankreaschirurg:innen hinzu, bei Tumorerkrankungen ergänzt die Onkologie.
Welche Globuli sind für die Bauchspeicheldrüse geeignet?
Für eine gezielte Wirksamkeit homöopathischer Globuli bei Pankreatitis, Pankreasinsuffizienz oder Pankreaskarzinom gibt es keine belastbare wissenschaftliche Evidenz. Diese Mittel können eine leitliniengerechte Diagnostik und Therapie nicht ersetzen und sollten, wenn sie zusätzlich eingesetzt werden, immer transparent dokumentiert und kritisch eingeordnet werden.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- USZ. Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Abgerufen am 04.04.2026 von: https://www.usz.ch/krankheit/bauchspeicheldruesenentzuendung/
- Krebsdaten.de (RKI). Bauchspeicheldrüsenkrebs. Abgerufen am 04.04.2026 von: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Bauchspeicheldruesenkrebs/bauchspeicheldruesenkrebs_node.html
- AMBOSS Fachwissen. Pankreas – Anatomie, Funktion, Klinik. Abgerufen am 04.04.2026 von: https://www.amboss.com/de/wissen/pankreas
- PubMed National Library of Medicine – Pancreatitis. Abgerufen am 04.04.2026 von: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29494075/










