Schluckstörungen bei Demenz: Wenn Schlucken zur Gefahr wird

Veröffentlicht am 23.07.2025

Älterer Mann isst ein Stück Apfel

Mit dem Fortschreiten einer Demenzerkrankung können Beschwerden wie Schluckstörungen häufiger werden. Quelle: Canva.de

Jeder Mensch schluckt etwa 2.000 Mal pro Tag. Was bei Gesunden meistens unbewusst und problemlos funktioniert, bereitet Menschen mit Demenz allerdings häufig Schwierigkeiten. Viele Betroffene leiden laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft an einer Schluckstörung (Dysphagie), verursacht durch eine Beeinträchtigung des Schluckreflexes. Diese Probleme nehmen im Laufe der Erkrankung häufig zu und können sich erheblich auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Umso wichtiger ist es, für das Pflegepersonal, die Anzeichen von Schluckstörungen bei ihren betreuten Patient:innen möglichst frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

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Dysphagien bei Demenz erkennen und wirkungsvoll gegensteuern

Schluckstörungen sind eine Störung des normalen Schluckvorgangs, bei dem Nahrung und Flüssigkeit vom Mund in den Magen gelangen. Bei Menschen mit Demenz entstehen diese Störungen durch den fortschreitenden Abbau der Nervenzellen im Gehirn, der die Koordination der am Schluckprozess beteiligten Muskeln beeinträchtigt. Laut einem Fachbeitrag in der Zeitschrift Ernährungsmedizin treten Schluckstörungen bei 80 bis 93 Prozent der Menschen mit Demenz auf. Besonders im fortgeschrittenen Stadium (Endstadium) gehören sie zu den häufigsten Begleiterscheinungen der Erkrankung.

Wie das Schlucken funktioniert

Auch wenn wir es kaum wahrnehmen: Schlucken ist ein sehr komplexer Vorgang, der aus mehreren Phasen besteht, in all denen es zu Schluckproblemen kommen kann.

  • Orale Phase (Mundbereich)
    Probleme beim Kauen, Zerkleinern und Transportieren der Nahrung Richtung Rachen
  • Pharyngeale Phase (Rachen- und Kehlkopfbereich)
    Gefahr der Aspiration (Einatmen von Nahrung in die Luftröhre)-
  • Ösophageale Phase (Bereich der Speiseröhre)
    Schwierigkeiten beim Transport der Nahrung in den Magen

Kurz erklärt - Gründe für Schluckprobleme bei Demenz

Im Verlauf von Demenzerkrankungen verlieren die Betroffenen, die für das Schlucken notwendigen kognitiven Fähigkeiten, sodass in jeder Phase des Schluckvorgangs Probleme auftreten können. Dafür gibt es verschiedene Ursachen:

  • Neurodegenerative Veränderungen
    Der Abbau der Nervenzellen im Gehirn beeinträchtigt die Steuerung der Muskeln, die am Schluckvorgang beteiligt sind.
  • Kognitive Beeinträchtigungen
    Diese Einschränkungen führen zu Schwierigkeiten bei der Planung und Koordination der Bewegungen, die für das Schlucken notwendig sind.
  • Motorische Störungen
    Parkinson-ähnliche Symptome oder andere motorische Beeinträchtigungen können die Muskelkontrolle im Mund- und Rachenraum verschlechtern.
  • Schluck- und Essstörungen im Alter
    Auch altersbedingte Veränderungen der Muskulatur und der Schleimhäute können eine Rolle spielen und den normalen Schluckvorgang beeinträchtigen.

Mit fortschreitender Demenz verschlechtert sich häufig die Fähigkeit, richtig zu kauen und zu schlucken.

Anna Liebig

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Mit geschultem Blick erkennen - Symptome von Schluckstörungen

Achtet auf folgende Anzeichen, die auf eine Dysphagie – also Schluckstörung – hinweisen können:

  • Häufiges Husten, Verschlucken und Räuspern während oder nach dem Essen und Trinken
  • Im Mund verbleibende Nahrungsreste nach dem Essen, häufiges Ausspucken und/oder Hochwürgen von Nahrung
  • Nahrungs- oder Speichelfluss aus dem Mund und Verschmutzung des Mundes oder der Kleidung mit Nahrung
  • Veränderte Stimme wie belegter, feuchter oder gurgelnder Stimmklang und Heiserkeit nach dem Essen
  • Unruhe, Ablehnung, schnelles oder auch sehr zögerliches Essen
  • Erstickungsanfälle oder Atemnot während des Essens
  • Gewichtsverlust oder Dehydrierung
  • Infektionen der Atemwege, insbesondere wiederkehrende Lungenentzündungen

Das frühzeitige Erkennen dieser Anzeichen ist entscheidend, um daraus folgende Komplikationen zu vermeiden.

Probleme beim Schlucken

Unbehandelte Schluckstörungen bergen das Risiko für schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Am gefürchtetsten sind wiederkehrende Atemwegsinfektionen bis hin zu Lungenentzündungen aufgrund eingeatmeter Nahrungsbestandteile (Aspiration) mit mitunter tödlichem Verlauf. Aber auch Mangelernährung und eine Unterversorgung mit Flüssigkeit (Dehydrierung bis hin zur Exsikkose) gehen nicht selten auf das Konto von Schluckstörungen.

Hilfe bei Schluckstörungen

Hast du den Verdacht, dass jemand von deinen Patient:innen an einer Schluckstörung leidet? Die Diagnose übernehmen üblicherweise Logopäd:innen, die dafür per Heilmittelverordnung beauftragt werden – beispielsweise von einer hausärztlichen, neurologischen oder HNO-ärztlichen Praxis. Denn nur eine gesicherte Diagnose ermöglicht auch eine gute Behandlung mit maßgeschneiderten (logopädischen) Therapieangeboten und konkreten Tipps rund um die Nahrungsaufnahme. Leite deine Wahrnehmungen – idealerweise dokumentiert in der EAT-10-Checkliste („Eating Assessment Tool-10“ zur Beurteilung von Dysphagien) – daher unbedingt schnell an das behandelnde ärztliche Team weiter.

Tipp: Auch an die sozialen Folgen denken

Schluckstörungen bei Demenz sind nicht nur ein rein medizinisches Thema. Die Beschwerden beeinflussen neben der Gesundheit auch die soziale Lebensqualität und Teilhabe der Betroffenen. Menschen mit Schluckproblemen nehmen eher ungern in Gesellschaft Nahrung oder Getränke zu sich nehmen und grenzen sich dadurch aus. Umso wichtiger ist es, ihnen mit professionellem Rat und Tat zur Seite zu stehen und ihnen eine bestmögliche Unterstützung zu bieten.

Ganz konkret: Umgang mit Dysphagie bei Demenz im Pflegealltag

  • Ein möglichst appetitlich angerichteter Teller.
  • Aufrechte Körperhaltung beim Essen erleichtert das Schlucken.
  • Zum eigenständigen Essen animieren/anleiten – idealerweise sollten die Patient:innen den Löffel/die Gabel selbst führen. Menschen mit Schluckstörungen brauchen Zeit und Ruhe zum Essen.
  • Die Nahrung sollte leicht zu kauen sein, zum Beispiel weiches Gemüse, wenn nötig löffelfeste Breikost. Besonders schwer zu essen sind Mischkonsistenzen, wie klare Brühe mit Fleischeinlage. Diese Mischung muss vor dem Schlucken im Mund sortiert werden. Wem das schwer fällt, verschluckt sich leicht daran.
  • Lieblingsspeisen und -getränke anbieten, um den Appetit zu steigern – idealerweise mehrfach über den Tag verteilt.
  • Speisen deutlich würzen oder auch süßen, damit sie im Mund besser wahrgenommen werden. Menschen mit Demenz haben sehr oft eine Vorliebe für Süßes. Bei Übergewicht/Diabetes zucker- und kalorienfreie Süßungsmittel einsetzen.
  • Ans Herunterschlucken erinnern, falls auffällt, dass die Patient:in das Essen zu lange im Mund behält.
  • Nach dem Essen sicherstellen, dass keine Nahrungsreste im Mund zurückgeblieben sind, um eine Aspiration zu vermeiden.
  • Assistenz bei der Mundpflege: Gegebenenfalls bei Bedarf den Finger oder die Zahnbürste der Patient:innen führen.
  • Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten – mindestens 1,3 bis 1,5 Liter reine Trinkmenge/Tag plus etwa 0,7 Liter Flüssigkeit über die Ernährung, sofern medizinisch keine anderen Vorgaben erfolgen.
  • Nährstoffversorgung im Blick behalten – vor allem eine gute Eiweißzufuhr plus möglichst vielen Vitaminen/Mineralstoffen und hochwertigen Fetten.
Tipp: Schluckfreundliche Snacks

Frisch hergestellte Smoothies oder Säfte, angereichert mit ein paar Tropfen kaltgepresstem Pflanzenöl, bieten eine tolle Möglichkeit, Senior:innen mit einer Zusatzportion an Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen; ebenso wie Milch- oder Joghurtshakes für eine Extraladung Eiweiß – idealerweise mit ein paar reingemixten Früchten (zum Beispiel Tiefkühl-Früchten, Bananen, Pfirsiche, Beeren).

Auch in pürierten Suppen aus saisonalem Gemüse – beispielsweise aus Kartoffeln, Lauch, Pastinaken und Möhren plus einem Schuss Sahne als zusätzlichem Proteinkick (falls erlaubt) – stecken viele wertvolle Nährstoffe, die für betagte oder demente Patient:innen wichtig sind und die sich auch bei Schluckstörungen eignen. Und ein mit etwas Honig und Walnussöl verrührter Joghurt enthält ebenfalls nicht nur wertvolles Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren, sondern lässt sich auch wunderbar einfach weglöffeln.

Fazit: Bei Demenz auf Schluckstörungen achten

Schluckstörungen (Dysphagien) zählen zu den häufig auftretenden, aber oft unterschätzten Begleiterscheinungen von Demenzerkrankungen und können sich auf vielfältige Weise negativ auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirken bis hin zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Umso wichtiger ist es, Störungen im Schluckprozess frühzeitig zu erkennen. Das Pflegepersonal spielt eine wichtige Rolle, da es häufig bei der Nahrungsaufnahme assistiert. Mit frühzeitig eingeleiteten Präventionsmaßnahmen lassen sich Folgekomplikationen von Dysphagien vielfach vermeiden oder zumindest reduzieren.

Die wichtigsten Fragen zu Schluckstörungen bei Demenz

Warum treten bei Demenz Schluckstörungen auf?

Probleme beim Schlucken sind eine häufige Begleiterscheinung bei Menschen mit Demenz, vor allem im fortgeschritteneren Erkrankungsstadium. Mit der Erkrankung verbundene strukturelle Veränderungen im Gehirn wirken sich auf die Koordination von Kaubewegungen, das Hunger- und Geschmacksempfinden und auch kognitive Prozesse aus. Die Betroffenen vergessen dann, wie man schluckt und ihr Schluckreflex funktioniert verzögert und/oder gestört.

Was sollte man bei Schluckstörungen aufgrund von Demenz (nicht) essen?

Entscheidend ist es, die Konsistenz der Nahrung an diese Situation anzupassen und dabei dennoch appetitlich zu präsentieren. Idealerweise sollte die Mahlzeit eine einheitliche weiche und gut schluckbare Konsistenz besitzen. Konkret bedeutet dies: lieber eine Cremesuppe als eine Suppe mit Fleisch- und Gemüseeinlage oder besser ein Müsli mit Schmelzflocken und zerdrückter Banane anbieten als ein Vollkorn-Müsli mit Nüssen und Trockenfrüchten. Das erspart das Aussortieren der einzelnen Bestandteile im Mund und erleichtert das Schlucken.

Warum sind Schluckstörungen bei Demenz gefährlich?

Schluckstörungen bei Menschen mit Demenz bergen die Gefahr, dass durch den veränderten Schluckprozess Nahrungsbestandteile eingeatmet werden und dadurch (wiederholte) Atemwegsinfektionen wie eine Aspirations-Pneumonie auslösen können. Lungenentzündungen gehören daher zu den häufigsten Todesursachen bei Demenz (4). Eine weitere häufige Folge von Dysphagie bei Demenz sind Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel (Austrocknung).

Was sind die vier Stadien der Dysphagie?

Der gesunde Schluckvorgang besteht aus vier Phasen: In der oralen Vorbereitungsphase beginnt die Nahrungsaufnahme in der Mundhöhle. Bei der oralen Transportphase wird die Nahrung dann über die Hinterzunge in den Mundrachen gebracht. In der pharyngealen Phase wird der Schluckreflex sowie der Verschluss der oberen Atemwege eingeleitet. Zuletzt gelangt die Nahrung während der ösophagealen Phase durch die Speiseröhre in den Magen.

Was darf man bei Dysphagie nicht essen?

Da das Schlucken bei einer Dysphagie große Probleme bereitet, sollten Betroffene harte, krümelige und klebrige Speisen meiden. Dazu gehören Körner, Samen, aber auch trockene Kuchen oder Vollkornbrot. Auch Mahlzeiten mit gemischten Konsistenzen wie Suppen mit Einlagen oder Eintöpfe sind schwierig zu essen.

Was sind Auslöser für Dysphagie?

Dysphagien bei Menschen mit Demenz entstehen durch eine Kombination aus neurologischen, kognitiven, motorischen und altersbedingten Faktoren, die alle die einzelnen Phasen des Schluckvorgangs betreffen können (orale, pharyngeale und ösophageale Phase).

Welcher Test kann eine Dysphagie zu 100% bestätigen?

Eine Dysphagie kann nicht allein durch Beobachtung, sondern nur durch eine gesicherte Diagnose bestätigt werden, die von spezialisierten Fachkräften durchgeführt wird. Auch eine 100%ige Bestätigung einer Dysphagie ist nicht nur durch einen einzelnen Test möglich. Eine sogenannte Videofluoroskopie (VFS), auch bekannt als modifizierte Bariumschluckstudie, ist bislang die Goldstandardmethode zur Untersuchung der Schluckfunktion. Auch die EAT-10-Checkliste („Eating Assessment Tool-10“) wird häufig zur Beurteilung von Dysphagien eingesetzt.

Medizinische und rechtliche Hinweise:  

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Quellen

  1. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz. Umgang mit Schluckstörungen bei Demenz. Berlin: Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Verfügbar unter: https://www.deutsche-alzheimer.de/archiv-alzheimer-info/medizinische-versorgung/umgang-mit-schluckstoerungen-bei-demenz
  2. Bruggisser N. Dysphagie und Ernährungsstörung bei Demenz. Schweiz Z Ernähr Med. 2020;18(4):11–15. Verfügbar unter: https://www.rosenfluh.ch/ernaehrungsmedizin-2020-04/dysphagie-und-ernaehrungsstoerung-bei-demenz
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Trinken im Alter. Bonn: fitimalter-dge.de. Verfügbar unter: https://www.fitimalter-dge.de/mehr-wissen/trinken-im-alter
  4. Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Selbsthilfe Demenz. Fortgeschrittene Demenz und Lebensende – Ein Ratgeber für Angehörige. Berlin: Deutsche Alzheimer Gesellschaft; 2018. Verfügbar unter: https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/Broschueren/Fortgeschrittene_Demenz_und_Lebensende.pdf

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