Infektionskrankheiten-Liste: Das betrifft Senioren besonders
Veröffentlicht am 22.07.2026

Viele ältere Menschen leben mit einer chronischen Erkrankung wie COPD. Bildquelle: Canva.de
Ein Harnwegsinfekt, der plötzlich zur Verwirrtheit führt. Eine Lungenentzündung, die sich ohne Fieber entwickelt. Wer alte Menschen pflegt, kennt diese Situationen und weiß, dass Infektionskrankheiten bei Senior:innen oft anders verlaufen als im Lehrbuch beschrieben. Dieser Artikel gibt dir verschiedene Listen an die Hand, etwa eine Liste zu tödlichen Infektionskrankheiten oder eine Liste zu chronischen Infektionskrankheiten. Erfahre auch mehr zu Symptomen und erhalte Pflegewissen für deinen Alltag.
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Warum sind Senior:innen bei Infektionskrankheiten besonders gefährdet?
Im Alter verändert sich das Immunsystem, Fachleute sprechen dabei von Immunseneszenz. Die Abwehrzellen reagieren langsamer und weniger präzise auf Erreger, wodurch Infektionen leichter Fuß fassen und schwerer verlaufen können. Hinzu kommt: Viele ältere Menschen leben mit mehreren chronischen Erkrankungen gleichzeitig, etwa Diabetes, Herzinsuffizienz oder COPD. Das schwächt die körpereigene Abwehr zusätzlich und macht die Infektionsbehandlung komplizierter.
Ein weiterer Punkt, der in der Pflege besonders wichtig ist: Infektionen zeigen sich bei Senior:innen oft atypisch. Das Fieber kann etwa ausbleiben, selbst bei schweren Infektionen wie einer Sepsis. Stattdessen fallen manchmal nur unspezifische Zeichen auf, wie plötzliche Verwirrtheit, Appetitlosigkeit, Stürze oder allgemeine Schwäche. Wer nur auf klassische Symptome wartet, übersieht Infektionen leicht oder erkennt sie zu spät.
Was ist die tödlichste Infektionskrankheit der Welt?
Wenn es um die Liste der tödlichsten Infektionskrankheiten geht, führt weltweit betrachtet eine Krankheit die Statistik an, die viele nicht auf dem Schirm haben: Tuberkulose. Laut aktuellem WHO-Bericht starben 2024 weltweit 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose, während rund 10,7 Millionen Menschen neu erkrankten. Damit bleibt Tuberkulose weiterhin die tödlichste Infektionskrankheit der Welt.

Anna Liebig
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Für Pflegekräfte in Deutschland sind diejenigen Infektionen relevant, die im Pflegealltag tatsächlich vorkommen und für Senior:innen gefährlich werden können:
| Infektionskrankheit | Erreger-Typ | Warum sie für Senior:innen gefährlich ist |
|---|---|---|
| Tuberkulose | Bakteriell | Weltweit tödlichste Infektionskrankheit, unbehandelt endet laut Schätzung jede zweite Erkrankung tödlich. |
| Pneumonie (Lungenentzündung) | Meist bakteriell | Laut Lungeninformationsdienst häufigste Krankenhausinfektion in Deutschland, rund 20.000 Todesfälle jährlich. Das Risiko steigt mit Alter und Vorerkrankungen. |
| Sepsis (als Komplikation) | Bakteriell/viral | Die Sterblichkeit bei Pneumonien, Harnwegsinfekten, Sepsis und bakteriellen Meningitiden ist nach Angaben der Landesärztekammer Hessen bei älteren Menschen mindestens dreifach erhöht. |
| Clostridioides-difficile-Infektion | Bakteriell | Häufig nach einer Antibiotikatherapie, schwere Verläufe treten besonders bei Pflegeheimbewohner:innen auf. |
| Influenza (Grippe) | Viral | Erhöhtes Risiko für Komplikationen wie bakterielle Superinfektionen und Pneumonien. |
| COVID-19 | Viral | Weiterhin relevantes Risiko für schwere Verläufe bei Hochbetagten und Menschen mit Vorerkrankungen. |
Chronische Infektionskrankheiten: Liste im Überblick
Neben akuten Infektionen spielt bei Senior:innen eine zweite Kategorie eine wichtige Rolle: Infektionen, die über Jahre im Körper bleiben oder nach Jahrzehnten plötzlich wieder aktiv werden.
Für die Liste chronischer Infektionskrankheiten sind das vor allem diese vier:
| Infektionskrankheit | Besonderheit im Alter | Relevanz für die Pflege |
|---|---|---|
| Herpes zoster (Gürtelrose) | Reaktivierung des Windpocken-Virus, das seit der Kindheit im Körper ruht. | Laut RKI erkrankt etwa jeder zweite Mensch, der das 85. Lebensjahr erreicht, im Laufe seines Lebens an Herpes zoster. |
| Latente Tuberkulose-Infektion (LTBI) | Kann Jahrzehnte nach der Erstinfektion reaktivieren. | Das Reaktivierungsrisiko steigt bei einem geschwächten Immunsystem deutlich an, etwa durch Multimorbidität oder eine immunsuppressive Therapie. |
| Chronische Hepatitis B | Kann über Jahre symptomarm verlaufen und gelegentlich reaktivieren. | Wird ausschließlich der Antikörper Anti-HBc nachgewiesen, lässt sich laut RKI mittels PCR-Test in etwa einem von zehn Fällen eine latent-chronische Infektion nachweisen. |
| Chronische Hepatitis C | Häufig über Jahrzehnte unbemerkt, da lange symptomarm. | Da Hepatitis C oft über Jahre symptomlos verläuft, wird sie bei älteren Menschen mit früheren Risikofaktoren (z. B. Bluttransfusionen vor 1992) häufig erst im höheren Lebensalter diagnostiziert. |
Welche Infektionskrankheiten gibt es aktuell?
Die Lage bei Atemwegserkrankungen ist in Deutschland im Sommer 2026 insgesamt ruhig: Die Inzidenzen für COVID-19, Influenza und RSV liegen aktuell auf niedrigem Niveau, mit rund 2,9 Millionen neu aufgetretenen akuten Atemwegserkrankungen pro Woche bundesweit. Die Grippewelle 2025/26 endete bereits in der 10. Kalenderwoche, die RSV-Welle in der 15. Kalenderwoche.
Symptome erkennen: Woran du eine Infektion bei Senior:innen merkst
Welche Symptome weisen auf Infektionskrankheiten hin? Bei jüngeren Menschen ist die Antwort meist einfach: Fieber, Husten, Schmerzen. Bei Senior:innen reicht der Blick auf diese Beschwerden oft nicht aus, die Warnzeichen sind subtiler und leicht zu übersehen.
Das prägnanteste Beispiel ist die Grippe: Während sie bei jüngeren Menschen typischerweise mit hohem Fieber und starken Muskelschmerzen beginnt, verläuft sie bei älteren Menschen häufig schleichend und mitunter sogar ohne Fieber. Oft ist die einzige Auffälligkeit eine akute Verwirrtheit in Kombination mit allgemeiner Schwäche. Auch bei einer Lungenentzündung zeigen ältere Menschen oft keine typischen Infektionsanzeichen wie Fieber oder Husten – hier kann das Delir der entscheidende Hinweis sein.
Diese Anzeichen solltest du im Pflegealltag ernst nehmen:
- Plötzliche Verwirrtheit oder Orientierungslosigkeit (Delir): Ernstes und manchmal einziges Symptom einer Infektion, etwa bei Pneumonie, Harnwegsinfekt oder Grippe möglich
- Ungewohnte Schläfrigkeit, schwer weckbar: hypoaktives Delir, wird oft übersehen, da es weniger auffällig als Unruhe ist
- Plötzlicher Kraftverlust oder Sturz: kann auf eine beginnende Infektion hindeuten, noch bevor andere Symptome sichtbar werden
- Appetitlosigkeit, Trinkschwäche: unspezifisches, aber häufiges Frühzeichen
- Inkontinenz oder Verschlechterung der Kontinenz: kann Ausdruck eines Harnwegsinfekts sein
- Tag-Nacht-Umkehr: typisch für ein Delir, oft ausgelöst durch eine zugrunde liegende Infektion
Übertragungswege: Wie sich Infektionen bei Senior:innen verbreiten
Krankheitserreger nehmen unterschiedliche Wege, um von einem Menschen zum nächsten zu gelangen, und genau das macht Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheime zu einem besonderen Risikofeld. Am häufigsten verbreiten sich Erreger über infektiöse Tröpfchen oder feinste Flüssigkeitspartikel, die beim Atmen, Sprechen, Niesen oder Husten entstehen. Influenzaviren nutzen typischerweise diesen Weg, ebenso wie viele Erkältungserreger.
Daneben spielt die Kontaktinfektion eine entscheidende Rolle im Pflegealltag. Dabei gelangen Erreger über Berührung von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Gegenstände weiter, etwa Türklinken, Haltegriffe oder gemeinsam genutzte Pflegeutensilien. Die Hände sind dabei der wichtigste Übertragungsweg überhaupt. Auch wer selbst keine Symptome zeigt, kann bereits ansteckend sein und andere infizieren, ohne es zu merken.
Für die Pflege kommt eine Besonderheit hinzu: Pflegende betreuen meist mehrere Menschen nacheinander und können Erreger dabei unbemerkt von einer Person zur nächsten weitertragen. Innerhalb eines Pflegeheims können sich Bewohner:innen zudem auch untereinander anstecken, etwa bei gemeinsamen Mahlzeiten oder Aktivitäten. Das erhöhte Infektionsrisiko trifft dabei nicht nur die zu Pflegenden.
Senior:innen Wie kann man Infektionskrankheiten in der Pflege vorbeugen?
Die wirksamste Einzelmaßnahme gegen viele der genannten Infektionen ist keine Hygienemaßnahme, sondern der Impfschutz. Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) gleich mehrere Standardimpfungen, weil sich das Immunsystem im Alter messbar verändert und Infektionen dadurch häufiger und schwerer verlaufen.
Konkret rät die STIKO Menschen ab 60 zur jährlichen Grippeimpfung sowie zur Impfung gegen Pneumokokken, Herpes zoster und COVID-19. Ab 75 Jahren kommt eine Impfung gegen RSV hinzu, das Respiratorische Synzytial-Virus, das im Alter zunehmend unterschätzt wird, obwohl es zu ernsten Atemwegsinfektionen führen kann. Bei der Pneumokokken-Impfung ist die Dringlichkeit besonders hoch: Unter den über 60-Jährigen endet in Deutschland etwa jede achte Erkrankung tödlich, ein Wert, der die meisten anderen altersbedingten Infektionsrisiken übertrifft.
Häufige Fragen zu Infektionskrankheiten bei Senior:innen
Was sind bakterielle Infektionskrankheiten?
Bakterielle Infektionskrankheiten werden durch Bakterien verursacht, die in den Körper gelangen und dort eine Erkrankung auslösen können. Die Übertragung erfolgt je nach Erreger beispielsweise über Tröpfchen, direkten Kontakt, Lebensmittel, Wasser oder über Verletzungen der Haut. Einige bakterielle Infektionen können mit Antibiotika behandelt werden. Hier sind aber die Auswahl des passenden Wirkstoffs und der verantwortungsvolle Einsatz wichtig, um Antibiotikaresistenzen zu vermeiden.
Was sind Beispiele für bakterielle Infektionskrankheiten?
Zu den bekannten bakteriellen Infektionskrankheiten gehören unter anderem Tuberkulose, Scharlach, Keuchhusten, Borreliose, bakterielle Lungenentzündungen, Salmonellosen und viele Harnwegsinfektionen. Welche Beschwerden auftreten, hängt davon ab, welches Bakterium den Körper befällt und welche Organe betroffen sind.
Welche Symptome weisen auf Infektionskrankheiten hin?
Infektionskrankheiten können sich sehr unterschiedlich äußern. Häufig treten Beschwerden wie Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Je nach Erreger können zusätzlich Symptome wie Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Durchfall, Erbrechen, Hautveränderungen oder Schmerzen dazukommen. Besonders bei älteren Menschen können Infektionen jedoch auch untypisch verlaufen und sich beispielsweise nur durch Verwirrtheit, Schwäche oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands bemerkbar machen.
Was sind die fünf häufigsten Infektionskrankheiten?
Zu den häufigsten Infektionskrankheiten zählen vor allem Atemwegsinfektionen wie Erkältungen, Grippe (Influenza) und COVID-19 sowie Magen-Darm-Infektionen, beispielsweise durch Noroviren. Auch Harnwegsinfektionen gehören zu den häufig auftretenden Infektionen, insbesondere bei älteren Menschen. Welche Infektionskrankheiten am häufigsten vorkommen, hängt jedoch von Faktoren wie Alter, Jahreszeit, Gesundheitszustand und regionaler Verbreitung ab.
Quellen
WHO. „Tuberculosis.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/tuberculosis
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt. „Tuberkulose – noch immer weltweit tödlichste Infektionskrankheit.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.nlga.niedersachsen.de/about/pressemitteilungen/tuberkulose-noch-immer-weltweit-todlichste-infektionskrankheit-240504.html
Lungeninformationsdienst. „Lungenentzündung – Verbreitung.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.lungeninformationsdienst.de/krankheiten/lungenentzuendung/verbreitung
Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber – Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster).“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Varizellen.html
Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber – Hepatitis B und D.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_HepatitisB.html
Robert Koch-Institut. „GrippeWeb – GrippeWeb-Wochenbericht.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://grippeweb.rki.de/
Robert Koch-Institut. „Infektionsradar.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://infektionsradar.gesund.bund.de/
Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). „Schutz vor Infektionen.“ Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.zqp.de/thema/schutz-infektionen-pflege/
„Berufsbedingte Infektionskrankheiten bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst 2023.“ Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie. Springer Nature. Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://link.springer.com/article/10.1007/s40664-025-00579-y
Ständige Impfkommission (STIKO). „Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2025“. Abgerufen am 13. Juli 2026 von https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/04_25.pdf?__blob=publicationFile










