Gesetzliche Kündigungsfristen: Wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Kündigung zu schreiben?

Veröffentlicht am 15.08.2025

Pflegekraft arbeitet an einem Laptop.

Welche Kündigungsfristen gelten, hängt vom Arbeitsvertrag ab. Quelle: Canva.de

Ein neuer Arbeitsplatz, ein Umzug oder private Veränderungen: Wer seinen Job kündigen möchte – , steht oft vor der Frage: Wie kündige ich richtig und fristgerecht? 

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Hierfür gibt es gesetzliche Kündigungsfristen. Je nach Situation unterscheiden sie sich deutlich voneinander. Richtig hinzuschauen ist dabei besonders wichtig, denn sonst riskierst du unnötigen Stress oder sogar rechtliche Konsequenzen. Im folgenden Artikel erklären wir, welche Fristen gelten, wie man sie berechnet und wann der richtige Zeitpunkt für die Kündigung ist.

Was ist eine Kündigungsfrist?

Die Kündigungsfrist bezeichnet den Zeitraum zwischen dem Zugang einer Kündigung und dem rechtlichen Ende eines Arbeitsverhältnisses. Sie ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in § 622 geregelt. Sie stellt sicher, dass sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer auf das Ende des Arbeitsverhältnisses vorbereiten können. Während dieser Frist bestehen die Rechte und Pflichten aus dem Arbeitsvertrag weiterhin.

Warum sind Kündigungsfristen wichtig?

Kündigungsfristen schützen beide Vertragsparteien vor übereilten Entscheidungen. Arbeitnehmer haben so Zeit, eine neue Anstellung zu finden, während Arbeitgeber neue Mitarbeitende rekrutieren können. Ohne Kündigungsfrist wären plötzliche Kündigungen möglich, die zu wirtschaftlichen und organisatorischen Problemen führen könnten.

Anna Liebig

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Wie lange ist die gesetzliche Kündigungsfrist in Deutschland?

Nach § 622 BGB gilt für Arbeitnehmer:innen eine einheitliche gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Diese Frist gilt nach der Probezeit. Während der Probezeit (maximal sechs Monate) beträgt die Kündigungsfrist lediglich zwei Wochen.

Für Arbeitgeber hingegen verlängert sich die Kündigungsfrist mit zunehmender Betriebszugehörigkeit des Mitarbeiters:

  • 2 Jahre: 1 Monat
  • 5 Jahre: 2 Monate
  • 8 Jahre: 3 Monate
  • 10 Jahre: 4 Monate
  • 12 Jahre: 5 Monate
  • 15 Jahre: 6 Monate
  • 20 Jahre: 7 Monate

Diese gestaffelten Fristen gelten nur für Kündigungen durch den Arbeitgeber, nicht durch den Arbeitnehmer.

Welche Unterschiede gibt es bei den Kündigungsfristen in Arbeitsverträgen?

Neben der gesetzlichen Regelung können Arbeitsverträge, Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen eigene Fristen vorsehen. Diese können kürzer oder länger sein als die gesetzliche Frist. Entscheidend ist dabei das Günstigkeitsprinzip: Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gilt stets die für sie vorteilhaftere Regelung. Wenn also beispielsweise ein Tarifvertrag eine längere Kündigungsfrist als das Gesetz vorsieht, der Arbeitnehmer dadurch aber mehr Planungssicherheit oder Vorteile bei der Bezahlung hat, dann greift diese tarifliche Regelung.

Ein wichtiger Sonderfall ist der öffentliche Dienst. Hier gilt der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). In diesem Tarifvertrag sind Kündigungsfristen festgelegt, die sich nach der Dauer der Beschäftigung richten. 

Je länger jemand im öffentlichen Dienst tätig ist, desto länger ist auch die Kündigungsfrist – sie kann bis zu sieben Monate betragen. Diese Fristen weichen zum Teil deutlich von der gesetzlichen Regelung ab, gelten aber verbindlich für alle, die dem TVöD unterliegen.

Tarifverträge haben also einen hohen Stellenwert, denn sie können gesetzliche Vorgaben ergänzen oder sogar ersetzen, solange sie die Beschäftigten nicht benachteiligen. Deshalb ist es wichtig, bei Fragen zur Kündigungsfrist immer auch einen Blick in den eigenen Arbeits- oder Tarifvertrag zu werfen.

Kann man die Kündigungsfrist verkürzen oder verlängern?

Eine Verkürzung der Kündigungsfrist ist nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt:

  • Bei Aushilfen mit einer Beschäftigungsdauer von bis zu drei Monaten kann vertraglich eine kürzere Frist vereinbart werden.
  • In Betrieben mit weniger als 20 Mitarbeitern kann ohne festen Kündigungstermin eine vierwöchige Frist vereinbart werden.

Eine Verlängerung ist hingegen jederzeit möglich, sofern sie den Arbeitnehmer nicht unangemessen benachteiligt. Es darf beispielsweise nicht vereinbart werden, dass der Arbeitnehmer eine längere Frist einhalten muss als der Arbeitgeber.

Was passiert, wenn man die Kündigungsfrist nicht einhält?

Eine nicht eingehaltene Kündigungsfrist kann erhebliche rechtliche und finanzielle Folgen haben. Arbeitnehmer riskieren Schadenersatzforderungen, wenn durch die Nichteinhaltung ein wirtschaftlicher Schaden beim Arbeitgeber entsteht. Arbeitgeber müssen unter Umständen Lohnnachzahlungen leisten oder eine Kündigungsschutzklage verlieren, wenn sie Fristen nicht beachten.

 Tipps für das Einhalten von Kündigungsfristen:

  • Frühzeitig informieren: Prüfen Sie Ihren Arbeits- oder Tarifvertrag sowie § 622 BGB.
  • Zustellung beachten: Die Frist beginnt einen Tag nach Zugang der Kündigung beim Empfänger.
  • Kündigungstermine berechnen: Beachten Sie Monatsenden oder den 15. als relevante Termine.
  • Schriftform einhalten: Kündigungen müssen schriftlich und eigenhändig unterschrieben sein.
  • Zugang sichern: Am besten per Einschreiben oder persönlich mit Empfangsbestätigung übergeben.

 Besonders zu beachten - Sonderkündigungsschutz

Einige Personengruppen genießen einen besonderen Kündigungsschutz, der die gesetzlichen Kündigungsvorgaben ergänzt:

  • Schwerbehinderte & Gleichgestellte benötigen die Zustimmung des Integrationsamts, damit eine Kündigung wirksam ist (Mindestfrist: 4 Wochen).
  • Schwangere & Mütter (bis 4 Monate nach Entbindung): Kündigungsschutz gemäß Mutterschutzgesetz (§ 17 MuSchG), unabhängig vom Fristlauf.
  • Elternzeit: Ab acht Wochen vor Beginn gilt der Schutz – auch während der gesamten Elternzeit.
  • Betriebsratsmitglieder & Wahlbewerber: Eine Kündigung ist nur nach besonderer Prüfung erlaubt.

Fazit: Kündigungsfristen richtig nutzen

Die gesetzliche Kündigungsfrist bietet beiden Vertragsparteien Planungssicherheit und Zeit. Sie dient dazu, einen geregelten Übergang zu gewährleisten, sei es für eine berufliche Neuorientierung oder die Suche nach einem Ersatz. Wer die Fristen kennt und richtig berechnet, kann unnötige Konflikte vermeiden und seine Rechte wahren. Es ist besonders wichtig, sich rechtzeitig zu informieren, um keine Fristen zu versäumen.

Die wichtigsten Fragen zur Kündigungsfrist

Hat man immer 3 Monate Kündigungsfrist?

Nein. Drei Monate gelten nur für Arbeitgeber ab einer Betriebszugehörigkeit von acht Jahren. Für Arbeitnehmer bleibt die gesetzliche Frist von vier Wochen bestehen, sofern nichts anderes vereinbart wurde.

Wann muss ich die 3 Monate Kündigungsfrist nicht einhalten?

Wenn Sie selbst kündigen und keine vertragliche Frist von drei Monaten vereinbart wurde, gilt die gesetzliche Frist von vier Wochen. In besonderen Situationen kann auch eine fristlose (außerordentliche) Kündigung greifen.

Welche Kündigungsfristen gelten für langjährige Arbeitnehmer?

Für Arbeitgeber steigen die Fristen mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit auf bis zu sieben Monate an. Arbeitnehmer haben dagegen grundsätzlich nur eine Frist von vier Wochen, es sei denn, es wurde eine längere vertragliche Frist wurde vereinbart.

Wie lange ist die Kündigungsfrist, wenn man selbst kündigt?

In der Regel beträgt sie vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Eine längere Frist ist möglich, wenn sie im Arbeitsvertrag festgelegt wurde.

Medizinische und rechtliche Hinweise: 

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Personio.de. Lexikon: Kündigungsfrist und ihre Grenzen. Abgerufen am 04. August 2025, von:https://www.personio.de/hr-lexikon/kuendigungsfrist-und-ihre-grenzen/#kuendigungsfristen-im-arbeitsrecht-definition-und-bedeutung
  2. Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee. Gesetzliche Kündigungsfristen im Arbeitsrecht. Stand Februar 2023. Abgerufen am 04. August 2025, von: https://www.ihk.de/konstanz/recht-und-steuern/arbeitsrecht/beendigung-von-arbeitsverhaeltnissen/gesetzliche-kuendigungsfristen-1671708
  3. Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Publikationen: Arbeitsrecht. Kapitel: Wie wird ein Arbeitsverhältnis beendet? Broschüre. Artikelnummer: A711. Stand: Januar 2025.
  4. Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Publikationen: Kündigungsschutz. Kapitel: Kündigungsfristen. Broschüre. Artikelnummer: A163. Stand: Januar 2023.
  5. Thieme. Alles Wissenswerte über Staat, Bürger, Recht - Staatsrecht und Gesetzeskunde. Arbeitsrecht.Hell W, Konopka T, Hrsg. 9., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2024. 

 

 

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